Totenbuch der Donauschwaben

 

Der Völkermord an den Deutschen in Jugoslawien 1944 - 1948

An den Deutschen, die in ihrer Heimat im ehemaligen kommunistischen Jugoslawien verblieben waren, sind gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch Partisanen und vor allem danach durch das Tito-Regime grausamste Untaten verübt worden. Gegen jedes Menschenrecht wurden sie für rechtlos erklärt, von Haus und Hof vertrieben, in Lager interniert, zu Sklavenarbeit gezwungen und massenweise dem Tod durch Erschießungen, Misshandlungen, Seuchen und Hunger preisgegeben.

Die Donauschwaben stammen von jenen Siedlern ab, welche die Habsburgischen Kaiser nach der Befreiung Ungarns von der Türkenherrschaft im pannonischen Becken zwischen 1689 und 1787 ansiedelten. Es gelang den Kolonisten, aus den abgeödeten Gebieten die Kornkammer der Donaumonarchie zu schaffen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die rund 1.5 Millionen Seelen zählende Volksgruppe zu etwa je einem Drittel auf die Nachfolgestaaten Ungarn, Rumänien und Jugoslawien aufgeteilt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich von den 510.000 Donauschwaben Jugoslawiens ein Teil beim Militär, ein großer Teil war vor der herannahenden Front geflüchtet oder evakuiert worden. Rund 195.000 blieben zu Hause und gerieten unter das Partisanenregime. Durch Erschießungen, Deportation in die Sowjetunion sowie Internierung in Arbeits- und Vernichtungslager kamen rund 60.000 Zivilpersonen ums Leben. Die Überlebenden fanden hauptsächlich in Deutschland und Österreich eine neue Heimat.

Die Stationen des Völkermords

Lagerinternierung ab Herbst 1944. Die "ethnische Säuberung" Jugoslawiens von seiner deutschen Volksgruppe war spätestens seit der Konferenz des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ) von Jajce (Bosnien, November 1943) in Aussicht genommen, der ANVOJ fungierte als eine Art provisorische Volksvertretung der kommunistischen Partisanenbewegung, die unter der Führung von Josip Broz, genannt Tito, dem langjährigen Nachkriegs-Staatschef Jugoslawiens, Stand. Den formellen Beschluss zur entschädigungslosen Enteignung aller in Jugoslawien lebenden Bürger deutscher Abstammung erließ der AVNOJ am 21. November 1944 in Belgrad. Er erklärte diese Bürger Jugoslawiens in einem außergerichtlichen Verfahren kollektiv zu Volksfeinden.

Die Ergebnisse dieser Beschlüsse waren:

Erschießungsaktionen
Nach Beginn der Besetzung im Oktober 1944 im Banat bis zum Kriegsende vollzogen lokale kommunistische Instanzen, die Staatspolizei (OZNA) und eigene Partisanen-Kommandos ("Aktion Intelligenzija") Erschießungen bzw. grausame Tötungen führender und wohlhabender Bürger im Alter von 16 bis 60 Jahren. Diese Aktionen forderten zwischen Oktober 1944 und Juni 1945 rund 9.500 Opfer.

Internierungen
Ab Oktober 1944 setzte die Internierung der Donauschwaben ein. Bis August 1945 waren alle Orte von ihren deutschen Bewohnern "gesäubert". Nur jene blieben von Internierung und Vermögensverlust verschont, die in Ehen mit Andersnationalen lebten oder zu den wenigen gehörten, die auf Seiten der Partisanen gestanden oder gekämpft hatten.

Deportation in die Sowjetunion
Bevor die Einweisung in die Lager vollzogen war, wurden entsprechend einer Forderung Stalins von den Partisanen zu Weihnachten 1944 insgesamt 8.000 donauschwäbische Frauen und 4.000 Männer aus dem Banat und der Batschka in die Sowjetunion (die meisten in das Donez-Becken) deportiert, wo sie hauptsächlich in den Kohlengruben arbeiten mussten. Bis 1949 starben von ihnen an Unterernährung und Krankheiten mindestens 2.000.

Ermordung von Kriegsgefangenen
Unmittelbar nach Kriegsende setzten die Racheaktionen der kommunistischen Partisanen Titos an den kroatischen, slowenischen und deutschen Kriegsgefangenen ein. Man schätzt die Zahl der Ermordeten auf 100.000. Im Zuge dieser blindwütigen Rache und in weiterer Folge sind annähernd 5.000 donauschwäbische Kriegsgefangene umgekommen. Etwa 2.000 Mann der Division "Prinz Eugen" wurden als wehrlose Kriegsgefangene nach der allgemeinen Kapitulation erschossen - im Widerspruch zu den internationalen Konventionen, welche die Erschießung von Kriegsgefangenen verbieten.

Opferbilanz

Lageropfer:
Von den rund 200.000 in ihrer Heimat verbliebenen deutschen Zivilpersonen Jugoslawiens waren 170.000 in den Lagern interniert. Von ihnen gingen von November 1944 bis März 1948 51.000 durch Misshandlungen und Hunger sowie an Typhus und Ruhr zugrunde, unter ihnen 6.000 Kinder unter 14 Jahren.

Gesamtverluste an Zivilpersonen:
Zählt man den 51.000 Lageropfern, die zwischen Juli 1941 und Oktober 1944 durch Partisanenüberfälle ermordeten 1.500 Zivilisten, ferner die durch Erschießungsaktionen zwischen Oktober 1944 und Juni 1945 umgekommenen 9.500 Zivilisten sowie die 2.000 Opfer der Deportation in die UdSSR hinzu, so kommt man auf eine Verlustzahl von 64.000 jugoslawiendeutschen Zivilpersonen. Jeder Dritte der in der Heimat verbliebenen Donauschwaben, Untersteirer und Gottscheer verlor demnach zwischen 1944 und 1948 das Leben.

Gesamtverluste inklusive Soldaten:
Zu den 64.000 Ziviltoten kommen 28.000 Soldaten. Insgesamt beklagen die Jugoslawiendeutschen mehr als 92.000 Tote. Diese Zahlen sind als Untergrenze anzusehen.

Diese Opferzahlen konnten durch donauschwäbische Organisationen und Institutionen unter Mitwirkung zahlreicher Privatpersonen zum Großteil namentlich erfasst und dokumentiert werden. Die Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft (DAG) hat diese Dokumentation in das Internet gestellt, wo sie allen interessierten Personen, vor allem aber unserer Jugend, zugänglich ist.


 
         
         
         
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